Es ist ein Geburtstag zu begehen. Der Anlass, ein dreihundertjähriges Stadtjubiläum, ist so außergewöhnlich nicht, die Stadt ist es schon. In ihrer recht kurzen Geschichte trug der Ort drei Namen und jeder hat historisches Gewicht erlangt.
Sankt Petersburg wurde am 27. Mai 1703 an der Newamündung von Peter dem Großen gegründet, der damit das bäuerliche Rußland gen Westen und Modernität öffnete.
Der Name Petrograd ist für immer mit der Oktoberrevolution verbunden, dem Beginn des gewaltigen sozialen Experiments der Bolschewiki, welches das 20. Jahrhundert prägen sollte.
In Leningrad wurde die kommunistische Utopie mit der Ermordung des KP-Chefs Kirow und dem Beginn der stalinistischen Säuberungen zu Grabe getragen. Im großen Vaterländischem Krieg widerstand die Stadt einer jahrelangen unbarmherzigen Blockade und wurde damit zur Ikone.
Seit Juni 1991 heißt die Stadt auf Initiative des ersten auf demokratischem Wege bestimmten Bürgermeisters wieder Sankt Petersburg. Anatoli Sobtschak, einer der wichtigsten und schillerndsten Politiker der Perestrojka Ära, machte dem progressiven Geist der Stadt durch sein mutiges Auftreten gegen die Putschisten im August 1991 alle Ehre und trug viel dazu bei, den damaligen Versuch der Kommunisten, Gorbatschow zu stürzen zu vereiteln.
Wie Eingangs erwähnt, es gibt was zu feiern.
Das "Venedig des Nordens" liegt am 60 Breitengrad an der russischen Ostsee, hat 4,7 Millionen Einwohner und ist damit die größte Stadt in diesen nördlichen Breiten. Abgöttisch geliebt von ihren Bewohnern, die von Außenstehenden gern als snobistisch und überheblich beschrieben werden, hat die Newametropole auch auf Gäste eine enorme Anziehungskraft. Jährlich besuchen dreieinhalb Millionen Touristen die Stadt der dreihundert Brücken. Für die Petersburger selbst bleibt Ihre Stadt die größte und nördlichste, die oppositionellste und gefährlichste, die jüngste und schönste. Aber was macht nun diese Stadt tatsächlich aus? Fünf Thesen:
1. Sankt Petersburg ist die europäischste Metropole Russlands, progressiv, tolerant, subversiv und radikal - seit der Gründung dem Gedanken der Aufklärung verbunden.
2. Sankt Petersburg ist ein, wenn nicht das umfassendste intellektuelles Zentrum Rußlands. Die Stadt ist eine Kopfgeburt und inmitten einzigartiger Baudenkmäler haben Wissenschaft und Forschung, Hoch- und Subkultur ihre Heimat gefunden.
3. Sankt Petersburg ist Russlands Tor zur Ostsee - eine vitale Handels- und Finanzmetropole. DieGrenzen zwischen seriösem Unternehmertum und kriminellem Milieu sind fließend.
4. Sankt Petersburg ist ein Vorreiter gesellschaftlicher Umbrüche. Ob Dekabristenbewegung, bürgerliche Revolution oder bolschewistischer Putsch - die Stadt lieferte die Hintergründe oder wurde selbst zur Bühne der Ereignisse.
5. Sankt Petersburg ist elitär und dabei bleiben viele auf der Strecke. Der Ort hat eine dunkle Seite und nicht erst seit Rasputin gibt es eine Affinität zum Obskuren, Mystischem und Geheimnisvollem.
Es sei dahingestellt, ob diese fünf Punkte dem Wesen der Stadt tatsächlich gerecht werden. Es ist ohnehin nahezu unmöglich, ein so komplexes Gebilde abschließend zu ergründen. Wie Eingangs erwähnt, ist Sankt Petersburg, trotz des geschichtsträchtigen Gepäcks, eine junge Stadt. Was liegt näher, als die fünf Thesen an ihren Kindern zu prüfen. Wie dechiffrieren sie Sankt Petersburg?

Dreh- und Angelpunkt des Films ist das älteste Hotel der Stadt „Oktjabrskaja“ (Oktober). Hier wird gegenwärtig eine der letzten Bastionen der Sowjethotellerie geschliffen. Wie in ganz Sankt Petersburg finden auch in diesem Hause umfangreiche Umbau und Sanierungsmaßnahmen statt. Im zentral an der Prachtstraße Newski-Prospekt, gegenüber des Moskauer Bahnhofs gelegenen Hotels, findet der Film seine Protagonisten.
Junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30, die ihr Selbstverständnis als Petersburger eint und die sich in ihrer Lebensweise stark voneinander unterscheiden. Sie zeigen ihr ganz persönliches Petersburg, die noble Seite und den Dreck, die Realität und sicherlich ein Stück weit ihren Traum.