Arkadien, Entdeckung einer geistigen Landschaft
Arkadien ist heute der vage Begriff für eine geistige Ebene, auf der Kreativität und Schöpferkraft mit ursprünglicher Vitalität hervorgebracht werden können. Arkadien bedeutet Möglichkeiten. Arkadien ist aber auch eine Wirklichkeit, die von Menschen gelebt wird, ist Sehnsucht und Hoffnung. Diese Sehnsucht läßt sich nicht festschreiben an einen Ort oder eine Zeit. Sie ist der Motor auf der Suche nach einer Freiheit, die über Alltägliches hinaus Leben sinnvoll werden läßt. Diese Suche ist zum einen Beschäftigung mit sehr persönlichen Lebensvorstellungen, zum anderen eine Auseinandersetzung mit dem durch die jeweilige Gesellschaft erstellten Wertekanon. Jede Gesellschaft formuliert den Anspruch, ein Stück Arkadien zu beinhalten.
Im Moment vollzieht sich die Ablösung eines Wertesystems durch ein anderes, (nicht)vertrautes. Offen ist dabei, ob dies eine Veränderung der inneren und äußeren Glücksansprüche tatsächlich zur Folge haben wird.
Zwischenschnitt
Den veränderlichen Begriff des Arkadischen in Bilder umzusetzen, ist Anliegen des 45minütigen 16 Millimeter Farbfilms “Zwischenschnitt” (Arbeitstitel). Das Sujet sind Menschen und Landschaften im Land Brandenburg. Der Begriff Landschaft ist für uns weit gefaßt, beinhaltet Stadtansichten, dörfliches Leben, “unberührte” Gegenden und Porträts. Zwei Wege der Annäherung an das Thema erzählt der Film. Mit Nahaufnahmen menschlicher Gesichter beginnt die Suche. Von diesen Gesichtslandschaften ausgehend finden sich Spuren des Seins im umgebenden Raum. Darüber hinaus ergibt sich durch die detaillierte filmische Untersuchung des Umfeldes eine Verbindung zum Wesen der Porträtierten. Der Film gründet sich auf die Wechselbeziehung zwischen Menschen und ihren Lebensbereichen, die Auskunft gibt auf die Fragen nach gelebten Wertvorstellungen und Glücksansprüchen.
Der Verzicht auf Statements und Befragungen der Porträtierten ist Konzept des Films. Gelebtes soll nicht mit nur sprachlich umgesetzten, kaum aber wirklich in Betracht gezogenen Vorstellungen überfrachtet werden. Anders ausgedrückt: Träume, Wünsche vermitteln sich meist im Ungesagten. Der Film will ein künstlerisches Dokument sein, daß ganz behutsam versucht, leise Zwischentöne einer sich lautstark artikulierenden Zeit festzuhalten.

Maren Ulbrich, 1993